Am 7. November 2019 fand in festlichem Rahmen im Tiroler Landhaus das 2. Austauschtreffen der Initiative DoppelPlus, unter reger Teilnahme verschiedenster VertreterInnen aus Politik, Energieversorgungsunternehmen, gemeinnützigen Wohnbauträgern sowie sozialen Einrichtungen statt.

Gleich zu Beginn gab es eine motivierende Ansprache durch LHStv.in Ingrid Felipe und LHStv. Josef Geisler. Beide Resorts (Klimaschutz und Energie) sind neben dem LIFE-Programm der EU und den Stadtwerken Wörgl auch wichtige Unterstützende und Finanzgebende der Initiative DoppelPlus.

TEIL 1 - Impulsvorträge


Im ersten Teil der Veranstaltung gab die Initiative DoppelPlus vertreten durch Tamara Baumgartner (Klimabündnis Tirol) und Bernhard Bruckner (Energie Tirol) einen kurzen Überblick der vergangenen Jahre sowie einen Einblick in die Tätigkeiten eines Energie- & Klimacoachs. In Impulsvorträgen wurden weitere Best-Practice-Beispiele aus Graz, Wien und Berlin vorgestellt. 

Stromspar-Check Aktiv
Eva Marx
Berliner Energieagentur

Haushalte mit geringem Einkommen schützen das Klima. Ein Programm, vier politische Wirkungsfelder - Soziales / Klima / Arbeitsmarkt / Bildung. Der Stromspar-Check ist ein deutschlandweites, bereits seit 10 Jahren laufendes Beratungsprojekt zur Reduktion des Energieverbrauches in Haushalten mit geringem Einkommen.

An mehr als 170 Standorten konnten bereits 344.875 Haushalte durch das Projekt erreicht werden. Insgesamt wurde so eine CO2-Reduktion von ca. 585.987 t erzielt.
Durchschnittlich werden pro Haushalt und Jahr nach einer Beratung unter Berücksichtigung von Strom, Trinkwasser, Heizung und Kühlschranktausch
1.037 kWh / 13m3 Trinkwasser / 533 kg CO2 und ca. 276 Euro eingespart.

Weitere Informationen: Stromspar-Check

Energie gegen Armut
Thomas Ferk
Energie Graz

Energie gegen Armut ist ein spendenbasiertes Projekt des Energieversorgers Energie Graz. Die KundInnen von Energie Graz spenden mit ihrer Energierechnung einen freiwilligen Betrag den der Energieversorger im Anschluss verdoppelt. Mit den dadurch erwirtschafteten Einnahmen werden Haushalte mit geringem Einkommen bei der Finanzierung ihrer eigenen Energierechnung unterstützt. Gleichzeitig werden in enger Zusammenarbeit mit der Caritas und dem Sozialamt der Stadt Graz Weißwarentauschaktionen (Kühl-Gefrierkombigeräte, ...) durchgeführt. 153 Haushalte konnten davon alleine im Jahr 2018 profitieren. Gleichzeitig konnte der Energieversorger seine Stromabschaltungen um über 70 % reduzieren.

Weitere Infos: Energie gegen Armut

Energieunterstützung
Elisabeth Paschinger
Stadt Wien

Seit 2013 ersetzt die Wiener Energieunterstützung den Heizkostenzuschuss der Stadt Wien. Diese mehrfach ausgezeichnete (unter anderem ÖGUT-Preis 2018), nachhaltigere und treffsicherere Variante des zuvor bestehenden Heizkostenzuschusses basiert auf 3 Säulen:
+ finanzielle Unterstützung
+ Energieberatung
+ weiterführende Energieeffizienzmaßnahmen (Weißwarentausch, ...)

Durch die Energieberatungen konnten so bisher über 430.000 kWh Energie und somit Kosten für die Haushalte eingespart werden. Durch die weiterführenden Energieeffizienzmaßnahmen wie Weißwarentausch, Heizungsumstellung, Reparaturen usw. können nachhaltig zusätzlich mehr als 5,5 Mio. kWh eingespart werden. Diese Maßnahmen entlasten nicht nur die direkt davon profitierenden einkommensschwachen Haushalte sondern auch das Sozialbudget.

Weitere Informationen: Wiener Energieunterstützung

TEIL 2 - Perspektivenwerkstatt


Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde in Kleingruppen eine sogenannte Perspektivenwerkstatt durchgeführt. Diese inhaltlichen Diskussionen mit Fokus auf die Maßnahmensetzung in Tirol hatten zum Ziel, Schlüsselpersonen aus den relevanten Bereichen zu vernetzen, dabei neue Ideen zu entwickeln und so einen Grundstein für zukünftige Kooperationen zu legen. 

Folgende vier Fragen standen zur Diskussion:


Frage 1:
DoppelPlus ist die Antwort auf die Herausforderungen rund um Energiearmut in Tirol. Was gibt mir Energie für das Thema? Was motiviert mich, diesen Weg mitzugestalten?

+ Klimaschutz auch als finanziellen Gewinn sehen
+ Verknüpfung von Energieeffizienz, Klimaschutz und sozialen Themen
+ Frühzeitiges Erkennen von Missständen und Vorbeugen von hohen Folgekosten
+ Befähigung von Menschen, sich dem Klimawandel zu stellen
+ Schaffung von Akzeptanz für das Thema
+ Bewusstseinsbildung bei all jenen, die sich bis dato nur wenig mit dem Thema auseinandersetzen konnten
+ Bottom-Up Ansatz
+ Das Ganze ist ein Thema des gesellschaftlichen Zusammenhaltes

Conclusio: Nur gemeinsam können wir die Vision eines energieautonomen Tirols erreichen.

Frage 2: Wie und Wo kann die Zielgruppe des Programms noch besser angesprochen und erreicht werden? Welche Schnittstellen und Rahmenedingungen können dazu hilfreich sein?

+ zentrale, unabhängige Anlaufstelle mit dahinterstehendem breiten Netzwerk
+ Kooperation mit Behörden mit Zugang zu Haushalten und Thema
+ Zielgruppe über Bildungsformate erreichen z.B. Sprachkurse
+ Sozialämter können/sollen in bestimmten Fällen Energieberatungen vermitteln
+ finanzielle Förderleistungen sollten an Beratungen geknüpft werden
+ Herausforderung begegnen, bevor es zum Problem wird
+ Präventive Beratungen sollen Aufgabe der sozialen Organisationen werden
+ verpflichtende Beratungen für z.B. alle die Stadt- oder Gemeindewohnungen bekommen
+ Zielgruppe dort ansprechen wo sie erreichbar ist, bei sozialen/ gesellschaftlichen Knotenpunkten wie Sozialmärkten, Gemeindeämtern, ...
+ Energieplan für Gemeinden - Energiearmut muss mit ein Thema sein

Conclusio: Der Schlüssel liegt bei den sozialen Einrichtungen mit direktem KlientInnenkontakt.

Frage 3: Eine professionalisierte Beratung hat Vorteile im Akutbereich. Wie könnten diese hauptamtlichen Beratungen gewährleistet werden? Wer könnte sie übernehmen?

+ das Ganze auf ein Ehrenamt und NGOs abzuschieben, so quasi "sollen alles die anderen machen", ist der falsche Ansatz
+ die Beratungen müssen finanziell wertgeschätzt werden
+ professionelle Beratungen von ausgebildeten und zertifizierten EnergieberaterInnen (Vorbild Wien / Umweltagentur)
+ für Ehrenamtliche wie StudentInnen und PensionistInnen könnten Beratungen ein Zuverdienst auf geringfügiger Basis sein
+ Ehrenamtliche und professionelle BeraterInnen könnten ein Tandem bilden - Beratung auf Augenhöhe und weiterführende Betreuung
+ Beschäftigungsförderungsprogramm zur Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen
+ das Ehrenamt im präventiven Bereich und bestehende Strukturen für Akutfälle

Conclusio: Im Akutbereich sollte auf bestehende Beratungseinrichtungen und 
-strukturen zurückgegriffen werden.

Frage 4: Welche der vorgestellten Ansätze sind auf Tirol übertragbar? Wie könnte dieses Angebot in Tirol organisiert und finanziert werden?

+ die Bekämpfung von Armut ist eine bundesstaatliche Angelegenheit
+ Finanzierung muss aus öffentlicher Hand bereitgestellt werden
+ Finanzierung soll von Bundesebene kommen, wenn hier keine Gelder dazu bereitgestellt werden, müssen die Länder diese Verantwortung übernehmen, sonst Städte/Gemeinden/Energieversorger
+ Sponsoring durch Unternehmen kann die Finanzierung unterstützen
+ individuelle Pakete für Unternehmen/Gemeinden, die sich ihren Bedarf einkaufen können
+ Umstrukturierung bestehender Fördergelder wie z.B. Heizkostenzuschuss
+ Weg vom Gießkannenprinzip hin zur strukturellen Verbesserung
+ Finanzierung über Fördertöpfe ist nicht zielführend
+ DoppelPlus als Modul übergeordneter Programme interessanter machen (z.B. Zertifikat für Gemeinden, usw.)

Conclusio: Die Bekämpfung von Armut (Energiearmut) auf Basis von Beratungs- und Sachleistungen sollte keine Frage der Finanzierung sein und im Idealfall aus einer Koppelung und Umstrukturierung bestehender Transferleistungen finanziert werden.

Zum Abschluss wurden die Ergebnisse und Kernaussagen der Perspektiventische nochmals allen Teilnehmenden vorgestellt.

Grundsätzlich sprechen sich die TeilnehmerInnen der Veranstaltung für eine Weiterführung und einen Ausbau der Initiative DoppelPlus aus. Zum einen da die Initiative einen sinnvollen Beitrag zur Bekämpfung von Energiearmut leiste und zum anderen da in Tirol nicht genug unternommen würde, um die von Energiearmut betroffenen Menschen zu unterstützen.
Der Großteil der TeilnehmerInnen sieht die Politik hier in der Verantwortung: Zum einen müssten Rahmenbedingungen angepasst und zum anderen eine finanzielle Absicherung gewährleistet werden.

Das ganze Team von DoppelPlus möchte an dieser Stelle ein großes Dankeschön für die rege Teilnahme an der Veranstaltung aussprechen. Wir werden auch weiterhin hart daran arbeiten, das Programm von DoppelPlus weiterzuentwickeln.

Ergebnis einer Umfrage unter den TeilnehmerInnen.

Accept
More information
This website uses cookies to improve its usability.