In Tirol leben rund 100.000 Menschen, die sich die Kosten für Grundbedürfnisse
wie Energie, Mobilität oder gesunde Ernährung aus eigener Kraft nur sehr schwer bis gar nicht leisten können. Die Initiative DoppelPlus will durch Energiecoaching von Haushalten
mit geringem Einkommen und unter dem Motto „Vorteile nützen. Klima schützen.“ eine
Win-Win-Situation für alle schaffen.

Am konkreten Beispiel von einem der engagiertesten Ehrenamtlichen, Firas Bitar, wird deutlich,
dass der Titel der Initiative Programm ist. Neben Vorteilen für die gecoachten Haushalte und das Klima, bietet DoppelPlus auch Potential zur Integration und interkulturellen Kommunikation.

Rund 40 Ehrenamtliche sind seit Oktober 2017 für die Initiative im Einsatz und vermitteln Menschen in Haushalten mit geringem Einkommen in Form eines persönlichen Coachings wertvolle Tipps zum Energiesparen.
Sie sind als BotschafterInnen für die Energiestrategie des Landes, TIROL 2050 energieautonom, unterwegs. Ihr Einsatz ist das beste Beispiel dafür, dass jede und jeder etwas zur Erreichung dieses Ziels beitragen kann. 

Die Coachings folgen dem Prinzip der Wissensvermittlung auf Augenhöhe. Neben dem Interesse an Energieeffizienz und Klimaschutz bemühen sich die Ehrenamtlichen auch um ein gutes Verständnis für die Situation von Haushalten mit geringem Einkommen – im Idealfall, sind sie selbst VertreterInnen der Zielgruppe.
Etwa ein Fünftel der Ehrenamtlichen sind Menschen mit Migrationshintergrund.

ANGEKOMMEN

Firas Bitar ist einer dieser Ehrenamtlichen. In seinem Heimatland Syrien war er Englischlehrer. Vor 3 Jahren hat er in Tirol eine neue Heimat gefunden. „In meinem Verständnis ist Heimat nicht nur ein Ort, sondern auch ein Ökosystem. Ich trinke Tiroler Wasser, ernähre mich aus guten Tiroler Produkten und atme Tiroler Luft. Deswegen ist mir wichtig, etwas für das Klima zu tun. Für meine Zukunft und die Zukunft meiner Kinder. Das gilt wahrscheinlich für alle“, ist Firas überzeugt.

Engagement und Bemühen

Im Zuge eines freiwilligen und auch eines verpflichtenden Integrationsjahres hat er sich ehrenamtlich bei der Diakonie engagiert, einen Lehrgang zu Alphabetisierung und einen Basisbildungslehrgang absolviert.

„Mein Ziel war dabei, die Gesellschaft, in der ich jetzt lebe, besser zu verstehen, aber auch ein aktives und konstruktives Mitglied derselben zu sein. In diesem Jahr habe ich viel gelernt und viel gemacht.“

Über eine Kooperation von DoppelPlus mit der Diakonie hat Firas dann von den Energie- & Klimacoachings erfahren und sich für die Ausbildung angemeldet. „Die Themen, die bei DoppelPlus behandelt werden sind grundlegend, weil sie unser tägliches Leben betreffen und eine sichere Brücke für unsere aller Zukunft bauen. Klimaschutz ist mehr als ein Projekt. Es ist eine Pflicht, die wir gegenüber den nächsten Generationen haben. Mein persönliches Ziel ist es, dieses Gefühl an unsere KlientInnen zu vermitteln.“

Gleichzeitig hat Firas sich sofort auf Arbeits- und Wohnungssuche gemacht. Dabei aber einige Hürden meistern müssen.

„Mein Deutsch war anfangs noch nicht so gut und mit Vorurteilen musste ich auch kämpfen. Ich habe dann bei der Diakonie als Dolmetscher und Wohnberater gearbeitet.“

ANDEREN HELFEN

Firas bietet den KlientInnen der Diakonie durch DoppelPlus-Coachings also ein Zusatzangebot in der Wohnungsberatung. Er berät vorwiegend Menschen mit Migrationshintergrund, die erst seit Kurzem in Tirol leben. „Viele von ihnen hatten vielleicht noch nicht die Gelegenheit, eine klare Vorstellung über ihr neues Leben, über die Zukunftsthemen und über das System in Österreich zu entwickeln. Viele haben sich noch nicht Gedanken über die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit des Energiesparens gemacht.“ Als Klimacoach begleitet er diese Menschen Schritt für Schritt. Das Ziel ist es, sie in ihrer Handlungsfähigkeit zu stärken.

EIN WUNSCH

Wie lange Firas die Coachings und Wohnungsberatungen noch machen kann, steht momentan allerdings auf etwas unsicheren Beinen: „Aufgrund der ein oder anderen durchgeführten Sparmaßnahme, kann ich mir um den Weiterverbleib meiner derzeitigen Arbeitsstelle leider nicht sicher sein.“ Trotz seiner Bemühungen und positivem Aufenthaltstitel hat Firas nämlich keine unbefristete Anstellung. Sein größter Wunsch ist deshalb auch weiterhin einer Arbeit nachgehen zu dürfen.

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