Christof Hrdlovics leibt und lebt in Zirl. Der Architekt ist in der Oberländer Gemeinde aufgewachsen und hat die Leute dort kommen und gehen gesehen. Auch er selbst war fürs Studium für einige Jahre von Zirl weggezogen, hat sich dann aber gemeinsam mit seiner Frau Julia Fügenschuh entschieden, dem Dorfleben eine zweite Chance zu geben.

kurze wege

„Den Schritt habe ich bis heute nicht bereut. Wir können zu Fuß vom Wohnhaus ins Büro gehen, die Kinder haben einen kurzen Schulweg. Es bleibt also genügend Energie für wichtige Familienzeit“, freut sich Hrdlovics. Kürzer könnte ein Arbeitsweg wirklich kaum sein. Gleich neben dem Wohnhaus, mitten im dicht bebauten historischen Ortskern, erwarb das Architektenpaar 2014 ein früher landwirtschaftlich genutztes Gebäude aus dem 17. Jahrhundert.

sanierung oder neubau?

In einer Kombination aus Generalsanierung und neu errichtetem Aufbau entstanden zwei Büroeinheiten. „Das Haus stand jahrelang leer und wir liebäugelten schon länger damit. Unsere Vision war es, etwas scheinbar nicht Nutzbarem eine neue Funktion zu geben.“ Mit der Sanierung des Bauernhauses wollten Fügenschuh und Hrdlovics das Dorf beleben.

 „Wenn nicht nur abends in den Wohnhäusern ein Lichtlein brennt, sondern auch tagsüber im Dorf gearbeitet wird, entsteht ein Austausch. Die Menschen verstecken sich dann nicht mehr hinter ihren Vorhängen, sie gehen ein und aus –die Dorfstruktur wird belebt“, weiß Hrdlovics.

stein und holz

Die Sanierung wurde für das Architektenteam zum Experiment: „Wir sind überzeugt, dass man viel daraus lernen kann, wenn man ein Gebäude in seine Einzelteile zerlegt, bevor man es wieder zusammenfügt und mit neuen Teilen erweitert. In diesem konkreten Fall wurden wir darin bestätigt, dass man auch früher schon die verschiedensten Materialien kombiniert hat und das Beste aus dem jeweiligen rausgeholt hat.“ Mit diesem Wissen entschieden sich Fügenschuh Hrdlovics die Mischbauweise beizubehalten, weil sie diese zudem als ökologisch sinnvoll erachteten. „Wir haben die alten Steinmauern so gut es ging erhalten, mit neuem Mauerwerk und mit heimischem Holz ergänzt.“

experimentierfreude

Die Fassade wurde thermisch saniert und in Anlehnung an die im dörflichen Kontext vorgefundenen Materialien durchgehend mit dunklem Fichtenholz verkleidet. Das Dach wurde in Form eines begrünten Satteldachs komplett erneuert, dessen Holzkonstruktion im darunterliegenden Atelier sichtbar belassen.

„Das begrünte Dach funktioniert quasi wie ein nasser Hut und sorgt im Sommer für eine natürliche Kühlung.“

Auch hier zeigten sich die Architekten wieder experimentierfreudig. Gegen jeden industriellen Standard, haben sie das Föhrenholz feucht eingebaut und dann den Sommer über mithilfe der reinen Sonnenwärme trocknen lassen.

„Das hat ganz schön gerumpelt und geknarzt, aber die Dachbalken sind quasi rissfrei geblieben.“

Die entstandenen Risse in den massiven Lärchentreppen stellen für Hrdlovics einen gewissen Charme dar und zeugen von Einzigartigkeit.


Die Innengestaltung ist vorwiegend aus heimischer Föhre entstanden, selbst die Fenster wurden aus dem hochwertigen Rohstoff gefertigt.

„Der Föhrenwald rund um Zirl bietet großes Potenzial für ökologisches Bauen und die heimische Wertschöpfung.“

zahnahrzt oder architekt

Die hochwertige Sanierung vergleicht Christof Hrdlovics mit einer Zahnfüllung: „Ich kann einen Zahn mit billigem Kunsstoff oder gesundheitlich bedenklichem Amalgam füllen oder eben mit Gold. Genauso kann ich ein Gebäude mit umweltschädlichen Baustoffen sanieren oder mithilfe ökologischer Baustoffe in neuem Glanz erstrahlen lassen.“

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